Die Schrift lädt
bei Google.
Schriften sind das unauffälligste Element einer Website und gleichzeitig eines der häufigsten Datenschutzprobleme. Der Grund: Der bequemste Einbau lädt sie bei jedem Seitenaufruf von einem fremden Server – und überträgt dabei die IP-Adresse des Besuchers.
Das Problem mit dem bequemen Weg
Die verbreiteten Schriftdienste werden mit einer einzigen Zeile eingebunden. Diese Zeile sorgt dafür, dass der Browser jedes Besuchers beim Laden der Seite den Server des Anbieters kontaktiert – ohne Einwilligung, ohne dass jemand etwas anklickt.
Deutsche Gerichte haben dazu entschieden, und es gab eine Welle von Abmahnungen. Der Kern: Die IP-Adresse ist ein personenbezogenes Datum, und ihre Übertragung braucht eine Rechtsgrundlage. Für eine Schriftart, die man genauso gut selbst ausliefern kann, gibt es die kaum.
Der richtige Weg: selbst ausliefern
- Schrift herunterladen und die Lizenz prüfen. Viele gute Schriften stehen unter einer freien Lizenz, die das ausdrücklich erlaubt.
- In das Format WOFF2 umwandeln, falls nötig. Es ist das kleinste und wird von allen aktuellen Browsern verstanden. Ein einziges Format genügt heute.
- Auf Teilmengen reduzieren. Eine vollständige Schrift enthält Tausende Zeichen. Für deutschen Text braucht es nur einen Bruchteil – das spart oft mehr als die Hälfte.
- Per @font-face einbinden, mit
font-display: swap, damit der Text sofort sichtbar ist statt unsichtbar zu warten. - Die wichtigste Schriftdatei vorladen, damit sie früh angefragt wird.
- Eine Ersatzschrift angeben, die es überall gibt – falls das Laden scheitert.
Danach gehört die Schrift in die Datenschutzerklärung – nicht als Datenübertragung, sondern als Hinweis, dass sie vom eigenen Server kommt. Das ist der Satz, der bei einer Prüfung den Unterschied macht.
Welche Schriften sich bewähren
- Zwei reichen. Eine für Überschriften, eine für Fließtext. Wer drei nutzt, hat meist eine zu viel.
- Variable Schriften enthalten alle Strichstärken in einer Datei. Das spart Anfragen und ist meist kleiner als drei einzelne Schnitte.
- Lesbarkeit vor Charakter. Fließtext braucht offene Formen und eine klare Unterscheidung von I, l und 1. Was auf dem Plakat gut aussieht, ermüdet im Absatz.
- Mindestens 16 Pixel für Fließtext. Kleiner wird auf dem Telefon zur Zumutung, und Browser zoomen dann beim Antippen von Feldern hinein.
- Lizenz prüfen. Freie Lizenzen erlauben die Nutzung auf der eigenen Seite ausdrücklich. Gekaufte Schriften haben oft Begrenzungen nach Seitenaufrufen.
Was es nebenbei bringt
Selbst ausgelieferte Schriften sind schneller. Der Browser spart die Verbindung zu einem fremden Server, das Nachschlagen der Adresse und den Aufbau der Verschlüsselung – zusammen leicht mehrere hundert Millisekunden, gerade über Mobilfunk.
Und sie sind verlässlicher: Eine eigene Datei fällt nicht aus, weil ein fremder Dienst gerade Probleme hat. Das ist der seltene Fall, in dem Datenschutz, Geschwindigkeit und Verlässlichkeit in dieselbe Richtung zeigen.

