Was im Kopf steckt,
steht nirgends.
In den meisten Betrieben weiß genau eine Person, wie etwas geht. Solange sie da ist, funktioniert alles. Ist sie eine Woche krank, wird improvisiert — und der Kunde merkt es. Eine Arbeitsanweisung ist der billigste Weg, das zu verhindern.
Was hineingehört
- Wofür und für wen. Ein Satz: Was wird hier gemacht, wer macht es.
- Wann es losgeht. Der Auslöser — eine Anfrage kommt, ein Auftrag ist fertig, es ist Monatsende.
- Was gebraucht wird. Zugänge, Werkzeug, Unterlagen, Vorlagen — mit Link oder Ort.
- Die Schritte, nummeriert, je einer pro Zeile, mit einem Verb am Anfang: „Öffne …", „Prüfe …", „Schicke …".
- Womit es fertig ist. Woran erkennt man, dass der Vorgang abgeschlossen ist?
- Was schiefgehen kann und was dann zu tun ist. Das ist der Teil, der aus einer Anleitung eine Hilfe macht.
- Wer zuständig ist, wenn es hakt — mit Namen, nicht mit Abteilung.
- Datum und Verfasser. Eine Anweisung ohne Datum wird nicht geglaubt.
Wie man sie schreibt, ohne einen Tag zu verlieren
- Beim Tun aufnehmen. Den Ablauf einmal machen und dabei sprechen oder den Bildschirm aufzeichnen. Die Abschrift ist die Rohfassung.
- Bilder statt Beschreibungen. Ein Bildschirmfoto mit einem roten Pfeil ersetzt drei Sätze. Bei Handgriffen ein kurzes Video.
- Von der Person schreiben lassen, die es macht — nicht von der, die es sich vorstellt. Wer den Ablauf nur kennt, lässt genau die Stellen weg, an denen es hakt.
- Einmal von jemand anderem durchführen lassen, ohne Nachfragen. Was er nicht schafft, fehlt in der Anweisung. Dieser Test dauert zwanzig Minuten und findet mehr als jede Korrekturrunde.
- Ein Sprachmodell darf glätten, nicht erfinden. Die Schritte kommen aus dem Betrieb.
Womit anfangen
Nicht mit dem Handbuch. Mit den drei Abläufen, bei denen ein Ausfall am meisten kostet.
- Was passiert, wenn eine Anfrage hereinkommt? Der Ablauf, an dem Umsatz hängt.
- Wie entsteht ein Angebot? Der Ablauf, der am meisten Zeit frisst.
- Wie wird abgerechnet? Der Ablauf, bei dem Fehler Geld kosten.
Drei Seiten. Danach kommt bei jedem Ausfall eine dazu — und nach einem Jahr steht das Wesentliche.
Wo sie liegen und wie sie aktuell bleiben
- An einem Ort, den alle kennen, und im selben Format. Nicht drei Ordner mit zwei Fassungen.
- Beim Vorgang verlinkt, nicht nur im Ordner. Die Anweisung muss dort auftauchen, wo gearbeitet wird.
- Eine zuständige Person je Anweisung, die sie pflegt.
- Prüfdatum im Kopf. Einmal im Jahr durchgehen; was nicht mehr stimmt, wird geändert oder gelöscht.
- Falsche Anweisungen löschen. Eine veraltete Anleitung ist schlimmer als keine, weil ihr jemand folgt.
Und der eigentliche Gewinn kommt danach: Ein Ablauf, der aufgeschrieben ist, lässt sich prüfen — und was sich prüfen lässt, lässt sich verkürzen oder automatisieren. Ohne Aufschreiben bleibt beides Gefühlssache.

